Artikel golem.de: Wie KI SaaS verschlingt
Vibe Coding: Wer sein System nicht versteht, hat keins
Die Website klickt Ihnen die KI zusammen. Sobald aber jemand mit dem Ergebnis arbeitet, wird aus dem netten Nachmittagsprojekt eine Verantwortung.
In Kürze
Visitenkarten-Website mit KI zusammenklicken? Klappt. Sieht sogar gut aus. Machen Sie ruhig.
Sobald aber jemand mit dem Ergebnis arbeitet, sobald Anmeldungen drin sind, Daten, Rechnungen, Fristen, wird aus dem netten Nachmittagsprojekt eine Verantwortung. Und die trägt niemand, der seinen eigenen Code nicht mehr liest.
Die ganze Geschichte
Golem hat dazu einen bemerkenswerten Beitrag gebracht: Wie KI SaaS verschlingt. Das Wichtigste steht nebenan im Kasten. Bemerkenswert daran: Der Mann verkauft selbst Vibe-Coding. Und sagt trotzdem, wo es kracht.
Was die KI wirklich kann
Ziemlich viel. Wer zeigen will, wer er ist, was er macht, wie man ihn erreicht, braucht dafür niemanden mehr. Typografie sitzt, Layout trägt, auf dem Handy sieht es ordentlich aus. Vor fünf Jahren ein Auftrag, heute ein Nachmittag. Der Markt für „irgendwas mit WordPress-Theme" schrumpft, und das ist völlig in Ordnung.
Und dann wird es ernst
Sicherheit. Selbstgebaute Werkzeuge fallen nicht laut um. Sie stehen offen herum. Zugangsschlüssel im Seitenquelltext, für jeden lesbar. Spesenabrechnungen unverschlüsselt im offenen Speicher. Provisionslisten, sichtbar für jeden, der zufällig die Adresse kennt. Keine Protokolle, keine Zugriffsgrenzen, kein Backup. „Das sind keine Ausnahmefälle. Sie sind die Regel", schreibt der Autor. Deckt sich mit dem, was wir sehen, wenn wir solche Projekte übernehmen. Das Unangenehme daran: Sowas merken Sie nicht selbst. Sowas erfahren Sie.
Ihre Abläufe. Anmeldung zu einer Veranstaltung? Formular ist der leichte Teil. Danach kommen Bestätigung, Warteliste, Umbuchung, Storno, Rechnung, Mahnung, Teilnehmerliste am Empfang, und irgendwann jemand am Telefon, der eine Ausnahme will. Diese Kette kennt keine KI. Die kennt Formulare.
Pflege und Zukunft. Code entsteht in Minuten. Teuer wird erst das „können wir da noch schnell". Dann muss jemand wissen, wo die Änderung hingehört und was sie an anderer Stelle kaputt macht. Und Ihr System lebt keine drei Monate, sondern zehn Jahre. In zehn Jahren ändern sich Gesetze, Schnittstellen, Zahlungsarten, Kolleg:innen. Nichts davon steht im Prompt.
Wem gehört das Ding eigentlich?
Das ist der Punkt, über den kaum jemand redet. Software, die Sie nicht verstehen, gehört Ihnen nur auf dem Papier. Sie können nicht sagen, was drin steckt, nicht beurteilen, was ein Umbau kostet, nicht entscheiden, ob eine Idee eine Woche dauert oder ein Quartal. Sie haben keine Software. Sie haben einen Haufen, der zufällig noch läuft.
Dazu kommt die Frage, die spätestens im Ernstfall zählt: Wen rufen Sie an? Freitagabend, das Anmeldesystem streikt, Veranstaltung ist Montag. Ein Chatverlauf hebt nicht ab. Ein Dienstleister, der Ihren Betrieb kennt, schon. Genau dafür bezahlen Sie ihn, und ehrlich gesagt nur dafür.
Was Sie tun können
Vier Fragen, egal wer oder was den Code schreibt:
- Darstellung oder Werkzeug? Liest das jemand, oder arbeitet jemand damit?
- Personenbezogene Daten im Spiel? Welche, wie lange, wer darf sie sehen?
- Wer ändert das in zwei Jahren, und kann diese Person es lesen?
- Was passiert beim Ausfall, und wer merkt es überhaupt?
Antwort „Darstellung": Legen Sie los, viel Spaß, die Werkzeuge sind gut. Antwort „Werkzeug": Klären Sie erst, worauf das Ganze steht. Die schnellen Sachen kommen obendrauf, nicht daneben.
Wir bauen seit über zwanzig Jahren web-basierte Services für Verbände, Veranstalter und Unternehmen. KI benutzen wir dabei jeden Tag, gern und ausgiebig. Nur eben als Werkzeug, nicht als Ersatz für die Frage, was da eigentlich gebaut werden soll. Reden wir drüber: schreiben Sie mir.

Golem.de, 10.08.2026: „Wie KI SaaS verschlingt", von Namanyay Goel
Firmen verlängern teure Software-Abos nicht mehr. Sie bauen sich die Funktionen mit KI einfach selbst nach. Der Aktienmarkt hat das längst eingepreist.
Entwickler aus San Francisco, verkauft selbst eine Vibe-Coding-Plattform. Und sagt trotzdem: schlechte Architektur fliegt einem irgendwann um die Ohren, weil KI reale Abläufe nicht versteht.
Zugangsschlüssel im Quelltext, Auswertungen ohne Anmeldung im Netz, keine Protokolle, kein Datenschutz. Nach seiner Erfahrung die Regel, nicht die Ausnahme.
Unten ein solides System, das Daten führt und Rechte durchsetzt. Oben schnelle, zugeschnittene Oberflächen. In seinem Beispiel stieg die tatsächliche Nutzung von gut einem Drittel auf über zwei Drittel.